Konrad Keßler (Kessler)
Niederländische Freunde von mir haben in den damaligen Schlachtfeldern von Verdun, in Épinonville, mehrere Erkennungsmarken von deutschen Soldaten
des Ersten Weltkrieges gefunden.
Diese Erkennungsmarke ist unvollständig (die Truppenteils- und Stammrollennummer fehlen) und wahrscheinlich hat der Soldat seinen Namen falsch geschrieben (für den Buchstaben ß gibt es keine Großbuchstaben und in den Verlustlisten heißt er Konrad Keßler) und aus diesem Grund hat er die Marke möglicherweise nicht fertiggestellt und wahrscheinlich anschließend weggeworfen. Aber das sind nur Vermutungen.
Konrad Keßler ist 1918 im Monat Juli oder August gefallen (die Verlustliste hat das
Datum 23 August 1918).
Der Volksbund erwähnt ihn nicht in ihren Listen von Gefallenen.
Wir können also davon ausgehen, dass er vermisst wird.
Konrad Kessler bekleidete den Rang eines Unteroffiziers.
Viele Informationen über diesen Soldaten haben wir von Herrn Dr. Helmut Schmahl und seinen Schülern aus Alzey bekommen.
Hier die Ergebnisse der Recherche des Leistungskurses Geschichte der 12. Jahrgangsstufe des Gymnasiums am Römerkastell Alzey unter der Leitung von
Dr. Helmut Schmahl
während seiner Projekttage im März 2026:
Die Familie des am 11. Dezember 1893 geborenen Konrad Keßler gehörte zu den einfachen Arbeiterfamilien im damaligen Alzey, einer kleinen Kreisstadt in Rheinhessen, deren Einwohner sich meist vom Acker- und Weinbau, sowie von Handel und Handwerk ernährten.
Seine Eltern hatten 1879 geheiratet und lebten mit ihren Kindern im heutigen Haus Wächterspfad 10, das damals den wenig einladenden Namen
„Auf dem Pestilenzbuckel“ trug. (ein Hinweis darauf, dass hier vor allem arme Familien und Tagelöhner wohnten).
Das Leben war geprägt von harter körperlicher Arbeit, bescheidenen Wohnverhältnissen und ständiger wirtschaftlicher Unsicherheit.
Vermutlich lebte die große Familie auf engem Raum.
Krankheit und frühe Todesfälle gehörten damals zum Alltag vieler Arbeiterfamilien.
Konrads Vater Philipp Keßler wurde 1842 im benachbarten Weinheim geboren,
das heute ein Stadtteil von Alzey ist.
In den Quellen wird er nacheinander als „Handarbeiter“, „Fuhrknecht“ und schließlich als „Fuhrmann“ bezeichnet. Diese wechselnden Berufsangaben zeigen, dass er seinen Lebensunterhalt mit unterschiedlichen einfachen Tätigkeiten verdienen musste.
Als Fuhrmann transportierte er Waren oder landwirtschaftliche Güter mit Pferd und Wagen. Dies war eine körperlich anstrengende Arbeit, die nur wenig Sicherheit bot und oft lange Arbeitstage bei jedem Wetter bedeutete. Nach dem Tod seiner ersten Ehefrau Margaretha heiratete Philipp Keßler 1898 in zweiter Ehe die Alzeyerin Anna Maria Nußbickel.
Er starb 1903 in Alzey und hinterließ neben seiner Witwe fünf Kinder, darunter
den 10 Jahre alten Konrad.
Konrads Mutter Margaretha Helbig wurde 1847 in Alzey geboren. Auch ihr Leben war von Schicksalsschlägen geprägt. Ihr erster Ehemann, der Tagelöhner Johann Storr, starb bereits 1874, und aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor, von denen eines schon als Säugling verstarb – ein damals leider häufiges Schicksal in armen Familien.
In ihrer zweiten Ehe mit Philipp Keßler wurden neun Kinder geboren, von denen vier bereits im Kleinkindalter starben. Konrad war das jüngste der Geschwister. Margaretha Keßler starb 1896, als Konrad erst drei Jahre alt war.
Über Konrads Jugend ist bislang nur wenig bekannt. Er wuchs in einfachen Verhältnissen auf und erlebte früh Krankheit, Tod und die Sorgen des täglichen Lebens. Wie viele junge Männer seiner Generation wurde auch er zum Militärdienst eingezogen. Im Frühjahr 1916 diente er als Musketier im Ersten Weltkrieg.
Für besondere Tapferkeit erhielt er die Hessische Tapferkeitsmedaille, wie die Alzeyer Zeitung am 14. Mai 1916 berichtete. Später war er Unteroffizier in einem preußischen Regiment. Konrad Keßler fiel im Juli oder August 1918 in Epinonville in der Nähe von Verdun in Frankreich, einem der blutigsten Kriegsschauplätze des Ersten Weltkriegs. Sein Name ist auf dem Ehrenmal für die Gefallenen der beiden Weltkriege verzeichnet.
Seine sterblichen Überreste konnten bisher nicht geborgen werden. Dennoch blieb die Erinnerung an ihn erhalten. Im März 2026 erreichte das Alzeyer Museum einen bemerkenswerten Hinweis auf sein Schicksal:
Der niederländische Militärhistoriker Jan Cornelis de Mik berichtete von einer Erkennungsmarke, die auf dem Schlachtfeld von Epinonville gefunden worden war und die Inschrift „KONRAD KESSLER ALZEY” trug. Da die Truppenteil- und Stammrollennummer auf der Marke jedoch fehlten, ist davon auszugehen, dass sie nie vollständig fertiggestellt und möglicherweise weggeworfen wurde.
In Alzey lassen sich heute keine direkten Nachfahren oder engen Verwandten der Familie mehr nachweisen, wie von Herrn de Mik erhofft. Zwar lebten später weiterhin Menschen mit dem Namen Keßler in der Stadt, doch nach bisherigen Recherchen bestand zu ihnen keine enge verwandtschaftliche Verbindung. Somit ist die Geschichte der Familie Keßler heute vor allem durch archivalische Spuren überliefert und steht beispielhaft für das entbehrungsreiche Leben vieler Arbeiterfamilien im Alzey des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts.

Der Wächterspfad (ehemals Pestilenzbuckel) in Alzey. Konrads Elternhaus (Nr.10)
ist links im Bild zu sehen (Aufnahme von Helmut Schmahl, 2015)
Dr. Schmahl schickte uns unter anderem dieses Bild vom Denkmal in Alzey, worauf der Name des Unteroffiziers Konrad Keßler erwähnt wird:

Nachfolgend finden Sie noch einige externe Links zur Alzeyer Zeitung, die wir ebenfalls von Dr. Schmahl erhalten haben.
Fotos dieser Zeitung dürfen wir nicht zeigen, da wir nicht die Rechteinhaber dieser Bilder sind, aber die externen Links führen zu den Bildern mit Texten über Konrad Keßler.
Konrad Keßlers Geburtsanzeige in der Alzeyer Zeitung vom 17. Dezember 1893:
https://www.dilibri.de/rlbzd/periodical/pageview/1982155?query=konrad%20keßler%20alzey
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Alzeyer Zeitung v. 14.5.1916: Musketier Konrad Keßler aus Alzey erhielt hessische Tapferkeitsmedaille:
https://www.dilibri.de/rlbzd/periodical/pageview/3311185?query=konrad%20keßler%20alzey
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Herr Dr.Helmut Schmahl und seine Schüler waren bei der Suche mit ihren Informationen und Beiträgen eine unersetzliche Hilfe.
Hiermit drücken wir unseren herzlichen Dank aus.
